Burggeschichte

Baugeschichte der Kurfürstlichen Burg

Ansicht der Burg des Bopparder Künstlers Nikolaus Schlad

Den ältesten Bestand der Gesamtanlage stellt der ursprünglich freistehende, viergeschossige Bergfried dar, den König Richard von Cornwall um 1265 (d) an der Nordostkante der römischen Stadtmauer errichten ließ.

Nach der Verpfändung von Boppard an den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg 1312 ruhten die Baumaßnahmen einige Zeit. Erst unmittelbar nach der militärischen Unterwerfung der Stadt durch den Erzbischof im September 1327 wurde der vermutlich beschädigte Turm wiederhergestellt und 1329 (d) um ein Wehrgeschoss erhöht. Um 1340 (d) erhielt der Turm ein steiles Dach und einen zweigeschossigen, L-förmigen Anbau auf seiner Westseite. Da dieses Gebäude an seinem Stufengiebel zum Rhein hin das Wappen des Erzbistums zeigte, kann es als Zollhaus angesprochen werden. Später erfolgte der Anbau eines kleinen Nebengebäudes an die Nordseite dieses Zollhauses. Im obersten Geschoss des Turms richteten die Trierer Erzbischöfe Kuno und Werner von Falkenstein Ende des 14. oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine Kapelle mit aufwendigen Wandmalereien ein. Unmittelbar nach Zerstörungen während des Bopparder Kriegs im Sommer 1497 erfolgte 1498 (d) die Wiederherstellung der Anlage. Der Trierer Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen ließ 1660 und 1661 (d) den Nordwestflügel sowie 1671 den Südflügel anfügen. Nach Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg entstand unter dem Trierer Erzbischof Johann Hugo von Orsbeck 1694 und 1695 (d) durch die Errichtung des Nordflügels und der beiden pavillonartigen Eckaufsätze eine repräsentative Schaufassade zum Rhein. Den Abschluss des Wiederaufbaus bildeten die Errichtung des Ostflügels sowie Veränderungen am Bergfried in den Jahren bis 1702 (d). Die um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstandene Lücke im Nordflügel unmittelbar östlich des Bergfrieds wurde erst jüngst durch einen modernen Baukörper geschlossen.

Die dendrochronologisch datierte Probe stammt von einem Balken aus dem Dachwerk des Nordflügels, sie besteht aus Tannenholz und zeigt eine Sommerwaldkante 1694.

Solche Datierungen werden in wissenschaftlichen Abhandlungen mit (d) gekennzeichnet.

Fundstücke archäologischer Sondagen

Vor Beginn der Bauarbeiten wurden in der Burg und im Innenhof archäologische Sondagen durchgeführt. Diese brachten viele Scherben, Fliesen und vor allem fünf Becherkacheln aus dem 13. Jhd. ans Licht. Aber auch während der Bauarbeiten wurden an verschiedenen Stellen Gegenstände gefunden, die in dieser Vitrine ausgestellt sind.

Becherkacheln mit Spitz- und Flachboden waren im Rheinland von Mitte 12. bis erste Hälfte 14. Jahrhundert gebräuchlich. 
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Während der Sanierung wurden an verschiedenen Stellen in der Burg Bodenfliesen aus der Zeit vom 13. bis zum 19. Jahrhundert gefunden.

Die weiteren Objekte in der Wandvitrine finden Sie in dieser Bildergalerie.

Die Sanierungsphase aus Sicht der Denkmalpflege

Die Franzosenbresche heute
Die ehemalige Kurfürstliche Burg wurde ab 2010 einer kompletten Instandsetzung und technischen Modernisierung unterzogen.

In der entwicklungsgeschichtlich interessanten Anlage hat sich ein hochkarätiger Bestand mit mittelalterlichen Wandmalereien und frühbarocken sogenannten Kölner Decken erhalten. Vielfältige Nutzungen und bauliche Veränderungen hatten jedoch das Gebäude erheblich überformt. Daher lobte die Stadt Boppard 2000/2001 einen zweiphasigen Ideen- und Realisierungswettbewerb mit dem Ziel aus, die sogenannte Franzosenbresche im rheinseitigen Gebäudeteil zu schließen und die „potenzielle Einheit“ des Schlosses wiederherzustellen. Den ersten Platz erhielt das Architekturatelier Detmold/Berlin mit dem Vorschlag eines kubischen modernen Fugenschlusses in Beton mit Glas- und Stahlfassaden, der in der baulichen Umsetzung dann etwas massiver ausfallen musste als zunächst geplant.

Farb- und Putzreste belegten ein einheitliches weiß-graues Aussehen der Fassaden seit der Zeit um 1700 bis weit in das 19. Jahrhundert. Diese eindeutige und klare Befundsituation im Zusammenhang mit der bis heute prägenden frühbarocken Gestalt der Anlage begründet die denkmalpflegerische Entscheidung zugunsten dieser Farbgebung.

Im Inneren hatten sich die großzügigen bauzeitlichen Raumgefüge mit nachträglichen kleinteiligen Einbauten erhalten. Von ganz besonderer und überregionaler Bedeutung ist der sehr große Bestand an Kölner Decken. Das sind stuckierte Holzbalkendecken, die vor allem im 17. Jahrhundert und bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts in repräsentativen Bauten verwendet wurden; später wurden sie durch Flachdecken abgelöst. Ausgehend von Kölner Patrizierhäusern entwickelten sie sich zum „Exportschlager“ und kamen über die Trierer Erzbischöfe auch an den Rhein. Glücklicherweise hatte sich in Boppard der gesamte Farbfassungsbestand erhalten, der auch im Inneren des Gebäudes eine ganz einheitliche bauzeitliche Farbgestaltung in Weiß-Grau zeigte. Aufgrund der großen Bedeutung der frühbarocken Raumstrukturen und der Kölner Decken wurde daher entschieden, die Säle und Kabinette mit Kölner Decken mitsamt farblicher Gestaltung wiederherzustellen. Alle übrigen Räume sind neutral gehalten.

Restauratorische Befunde

Barocke weiß-graue Farbfassung wiederhergestellt.
Das Erscheinungsbild der Burg durch die Jahrhunderte wurde und wird auch von der farblichen Gestaltung der Mauern und Wände bestimmt. Am heutigen Bau sind diese Farbfassungen durch geringere oder größere Spuren nachweisbar.

Beim ältesten Bauteil, dem Bergfried von 1265, waren die in Mörtel gesetzten Steine sichtbar. Nur Fenster und Eingang erhielten rundum einen etwa 40 Zentimeter breiten Putzstreifen. Diese Faschen betonten die Öffnungen und schützten gleichzeitig das Mauerwerk vor Feuchtigkeit.

In der folgenden Bauphase von 1329 wurde der Bergfried um die obere Wehrplattform erhöht. Der Bau war nun verputzt und kalkweiß getüncht, rote Farbgebung akzentuierte die einzelnen Architekturelemente.

Im späten 14. Jahrhundert erhielt der Raum im vierten Geschoss des Bergfrieds einen Kapelleneinbau. Zwei der bemalten Wände sind im Inneren noch zu sehen.

Der repräsentative Ausbau erfolgte im Laufe des 17. Jahrhunderts. Während die Fassaden kalkweiß getüncht waren, betonten aufgemalte graue Eckquader mit schwarzen Fugen und Konturstrichen die Gebäudekanten. Auch die Fenster waren grau abgesetzt und besaßen einen schwarzen Konturstrich. Andere Elemente wie der Rundbogenfries und der Wandabschluss, die hölzernen Gesimse, wurden entsprechend betont.

Aus dem 19. Jahrhundert stammen Reste einer braunen Betonung der Architekturelemente auf gelblich-ockerfarbener Wandfläche. Um 1970 wurde teilweise die Burg neu verputzt, weiß gestrichen und mit roten Farbakzenten versehen.

Bei der Revitalisierung der Burg seit 2004 wurde auf Basis großflächiger Befunde die barocke weiß-graue Farbfassung wiederhergestellt. So konnte die Gesamtwirkung der bedeutendsten Bauphase, der barocken Vierflügelanlage, wiedergewonnen werden.

Auch bei der Ausstattung der Räume griff man in der barocken Ausbauphase vielfach auf die weiß-graue Fassung zurück. Dementsprechend wurde sie in den Sälen und Kabinetten mit den Kölner Decken rekonstruiert.

Spätere Raumfassungen folgten dem jeweiligen Zeitgeschmack. Besonders hervorzuheben ist die Renovierungsphase der Zeit um 1800 mit farbigen gemalten Sockel- und Wandspiegelflächen mit aufwendigen Blumen- und Rankenmalereien.

Von der Altertumssammlung zum heutigen Museum Boppard

Das Museum 1930

Zum Jahreswechsel 1911/12 wurden eine kleine städtische Sammlung und andere aus Boppard stammende Fundstücke zur Grundlage eines neuen Museums zusammengeführt. 

Lag der Schwerpunkt zunächst auf archäologischen Funden, legte noch 1913 eine persönliche Schenkung des Künstlers Rudolf Stang den Grundstein verschiedener Sondersammlungen. Zugleich wuchs auch der Bestand an Alltagsgegenständen und anderen Objekten.

Gruender 1912
Die Gründer, 1912

Anfang der 1930er Jahre war das ehrenamtlich geleitete Museum in nur wenigen Räumen des Erdgeschosses der Burg untergebracht.

Nach dem Krieg galt das Bopparder Museum eine Zeit lang als das einzige im Kreis. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre setzte sich der damalige Bürgermeister in der Tradition seiner Vorgänger sehr für das Haus ein.

1981 gelangten 42 Blätter des Bopparder Künstlers Nikolaus Schlad in das Museum. Diese Sammlung stellt mit ihren Ansichten der Stadt eine eindrucksvolle Dokumentation des Stadtbildes der Zeit zwischen 1834 und 1865 dar.

Um 1977 konnten die Sondersammlungen um den Nachlass Hans Jöres erweitert werden, der zunächst im Südflügel der Burg untergebracht war.

Etwa zeitgleich erfolgte eine umfassende Neukonzeptionierung und Erweiterung der Sammlungen und Ausstellungen. Das Thema Thonet rückte in den Mittelpunkt und wurde 1996 zum 200. Geburtstag von Michael Thonet aktualisiert. Es folgten verschiedene Wechselausstellungen, unter anderem über die Partnerschaft mit der japanischen Stadt Ome und den Japanforscher Philipp Franz Freiherr von Siebold, der zeitweilig in Boppard lebte. Hiervon befindet sich heute noch eine kleine Sammlung im Bestand.

Auch Künstler der Gegenwart fanden und finden hier Raum für ihre Arbeiten.

Ab 2005 wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Museumsbestand durchgeführt und 2009 schloss das Museum vorübergehend. Die rund 3 000 Objekte umfassende Sammlung musste weichen, um den anstehenden Sanierungsarbeiten Platz zu machen. In dieser Bauphase wurde bis 2015 ein neues Museumskonzept erarbeitet, das der aktuellen Raumsituation und den heutigen Erkenntnissen angepasst ist. Die Burg selbst samt ihrer Baugeschichte wird heute neben den Themen Stadtgeschichte und Thonet zu einem Schwerpunkt der neuen Ausstellung.

Bopparder Krieg

Dauerleihgabe des Museums am Strom, Bingen

Dauerleihgabe des Museums am Strom, Bingen

Bildnachweis:
Universitätsbibliothek Heidelberg

Produktion und Realisation:
21ct_Büro für Kommunikation, Ingelheim am Rhein, Alexander Kehry

Animation:
21ct_Büro für Kommunikation David Frank|Matthias Schilder