Das Reich der Staufer

Das Reich der Staufer

1138-1152

Kaiser Konrad III.

1152-1190

Kaiser Friedrich I. Barbarossa

1190-1197

Kaiser Heinrich VI.

1198-1208

König Philipp von Schwaben

1198-1218

König Otto IV. (aus dem Haus der Welfen)

1212-1250

Kaiser Friedrich II.

1220-1242

König Heinrich (VII.)

1237-1254

König Konrad IV.

Die Staufer am Rhein

Im 12. und 13. Jahrhundert stellten die Staufer, ein schwäbisch-elsässisches Adelsgeschlecht mit engen verwandtschaftlichen Beziehungen zum salischen Herrscherhaus, mehrere römisch-deutsche Kaiser und Könige.

Diese Zeit brachte auch nördlich der Alpen gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftlichen Aufbruch und zahlreiche Innovationen in der Agrarwirtschaft hervor. Städte blühten wieder auf, zahlreiche Dörfer entstanden in neu gerodeten Landschaften, der Ausbau der Kulturlandschaft ging voran und veränderte das Landschaftsbild auch am Mittelrhein. Die Bevölkerungszahlen wuchsen, da mehr Menschen ernährt werden konnten. Gesellschaftliche Aufstiege waren möglich. So konnten die sogenannten Ministerialen, ursprünglich Unfreie, im Dienst des Königs oder als Gefolgsleute von Territorialherren in höchste Positionen aufsteigen.

Auch der Mittelrhein, der Hunsrück und Boppard partizipierten an diesen Entwicklungen. Im vorderen Hunsrück wurde eine Reihe neuer Ortschaften gegründet und Boppard war eine aufstrebende Stadt am Mittelrhein, in der Kaiser und Könige häufig zu Besuch weilten und deren Bevölkerung ein gewisses Maß an Wohlstand erreichte.

Die Staufer kümmerten sich wieder verstärkt um die Sicherung des Reichsgutes am Mittelrhein. Gerade in dieser Zeit wurde unter den Adelsgeschlechtern heftig darum gestritten, welche Besitzungen zum Reich gehörten und daher wieder an das Reich zurückgegeben werden mussten, wenn im Amt des Königs ein Wechsel von einer Dynastie zu einer anderen erfolgt war. Seit Konrad III., dem ersten Herrscher aus dem Haus der Staufer, nutzten diese den Bopparder Königshof wieder verstärkt für Aufenthalte. Sein Nachfolger, Friedrich I. Barbarossa, bemühte sich, das geringer gewordene Reichsgut zu erhalten und wieder zu stärken. Für das Frühjahr 1180 ist ein Besuch des Kaisers in Boppard bekannt. Das mittelrheinische Reichsgut diente den staufischen Herrschern dazu, ihre Stellung am wichtigen Zusammenfluss von Rhein und Mosel wieder zu festigen. Denn was für die Ottonen galt, kann man auch für die Staufer feststellen: Die Sicherung und Verteidigung ihrer Position am Mittelrhein war für den Erfolg ihres Königtums von großer Bedeutung.

Die Ministerialen in Boppard

Der Aufstieg der Ministerialen im Dienst des Königs kann in Boppard sehr gut belegt werden. Sie dienten in der Verwaltung der Stadt und waren auch für die Verteidigung unentbehrlich, etwa als Burgleute auf der Reichsburg Sterrenberg.

Diente diese Burg der Sicherung des staufischen Reichsgutes am Rhein, sollte auf dem Vorderhunsrück Burg Schöneck diese Aufgabe erfüllen. Im 12. und 13. Jahrhundert stiegen die Ministerialen zu stolzen Rittern auf, verfügten über eigenen Besitz und ihre Anwesen in der Stadt prägten das Stadtbild. In der Zeit König Lothars III. (1125 – 1138) hatte der Bopparder Reichsfiskus die umfangreichste Dienstmannschaft, die aus diesen Jahren für einen derartigen Amtsbezirk bekannt ist.

In der Spätzeit der staufischen Herrscher und in der Zeit des unruhigen Interregnums konnten die großen Familien unter den Ministerialen ihre Stellung sogar noch weiter ausbauen. Zu den wichtigsten Familien gehörten: die Beyer von Boppard, die von Schöneck, die Boos von Waldeck, die von Bickenbach, die Brüder Franco und Elyas, die Unter den Juden.

Die Boos von Waldeck können als ein Beispiel für ein Bopparder Adelsgeschlecht betrachtet werden, dem im Mittelalter der Aufstieg als Reichsministerialen gelang und das auch in späteren Jahren noch eine bedeutende Rolle in der Stadtgeschichte spielte. Das neben der Kurfürstlichen Burg gelegene Haus gelangte im Jahr 1757 in den Besitz der Familie.

Vom Hof der Beyer von Boppard, der fast vollständig verschwunden ist, wurden 1977 einige Reste wiederentdeckt.

In unmittelbarer Nähe des Beyerhofes lag auf der anderen Seite der ehemaligen Judengasse der Hof Bickenbach. Er wurde wahrscheinlich von der seit 1179 nachgewiesenen Familie von Bickenbach erbaut und im Juli 1865 bei einem Stadtbrand zerstört.

Der Kampf um die Königsmacht am Rhein

Der plötzliche Tod von Kaiser Heinrich VI. 1197 stellte die Stauferherrschaft auf eine harte Probe. Sein möglicher Nachfolger als König und Kaiser, sein Sohn Friedrich, war noch viel zu jung, um als König anerkannt zu werden oder seinen Anspruch auf die Krone durchsetzen zu können.

Zudem lebte er weit entfernt auf Sizilien. In diesen Jahren war es der 1198 zum König gewählte Philipp von Schwaben, der für die Staufer nördlich der Alpen die Krone verteidigte und sich gegen die Ansprüche des Welfen Otto IV. zur Wehr setzte, der seinerseits nach der Herrschaft zu greifen versuchte. Über Jahre stand der Mittelrhein im Zentrum der Auseinandersetzungen. Philipp konnte Boppard erfolgreich behaupten und hielt sich häufig in der Stadt auf, wo er auch wichtige Handlungen im Kampf um die Krone vornahm. So vollzog er am 8. September 1198 in Boppard die Krönung Herzog Ottokars I. zum ersten König von Böhmen. König Otto IV. konnte sich erst im Herbst 1212 für kurze Zeit in der Reichsstadt am Mittelrhein aufhalten, nachdem Philipp im Jahre 1208 einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war.

Reichsstadt Boppard

Spätestens in der Zeit Kaiser Friedrichs II., der wie sein Sohn und zeitweiliger Mitregent Heinrich (VII.) mehrmals zu Besuchen in der Stadt weilte, erlangte Boppard den Status einer Reichsstadt und gehörte damit einem ausgewählten Kreis von Städten im Reich an.

Reichsstädte hatten besondere Rechte, denn sie waren der Herrschaft regionaler Grundherren entzogen und schieden aus dem Landrecht aus. Sie waren allein dem König unterstellt, besaßen das Marktrecht, mussten dafür aber dem Herrscher Steuern entrichten und ihre Befestigungsanlagen pflegen. Kaufleute und Handwerker ließen sich dort bevorzugt nieder und Gruppen wie den Ministerialen gelang in diesem Umfeld der gesellschaftliche Aufstieg.

Kirchen und Klöster

Während in fränkischer Zeit das gesamte Denken im Kontext der alle Lebensbereiche durchdringenden christlichen Lehre und des praktizierten Glaubens gestanden hatte, war man seit dem tiefen Einschnitt des Investiturstreits in der Lage, die weltliche Ebene gedanklich von der religiösen zu trennen.

Gleichwohl waren „Staat“ und „Kirche“ noch immer eng aufeinander bezogen und es war ein Anliegen der Herrscher und adliger Familien vor Ort, Kirchen und Klöster zu fördern. Stiftungen und Zuwendungen an kirchliche Einrichtungen förderten das Seelenheil nach dem Tod. Davon profitierten ganz besonders die Kirchen und Klöster, die als Grablege dienten. Bußleistungen konnte man zudem dadurch erbringen, dass man die Lesung einer oder mehrerer Messen in Auftrag gab.

Auch in Boppard erblühten in diesen Jahren Kirchen und Klöster. Manche Klöster verfügten über Niederlassungen und Häuser innerhalb der Stadtmauern, die sich teilweise bis heute erhalten haben. Gleichzeitig erhielten auswärtige Klöster Eigentum in Boppard, wie zum Beispiel das Gelände im Umfeld des Eberbacher Hofes, das vermutlich am Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Zisterzienserabtei Eberbach im Rheingau kam.

Um 1220 wurde der im 12. Jahrhundert begonnene Bau des Langhauses der Pfarrkirche vorläufig abgeschlossen und wenig später der heilige Severus als einziger Schutzpatron genannt.

Die Severuskirche ist eine spätromanische, querschifflose Emporenbasilika mit zwei Osttürmen, die durch ihre zentrale Lage am Marktplatz das Bopparder Stadtbild entscheidend prägt. Aufgrund ihrer imposanten äußeren Form, der reichhaltigen architektonischen Ausgestaltung der Innenräume, der bedeutenden Wand- und Glasmalereien und ihrer Farbenfreude gilt sie bis heute als eines der eindrucksvollsten Hauptwerke der Spätromanik am Mittelrhein.

1262 wurde erstmals die Niederlassung der „Brüder unserer Lieben Frau vom Berge Karmel“ in Boppard erwähnt. Während die Pfarrkirche Sankt Severus im Zentrum der Stadt und damit innerhalb der Stadtmauern lag, errichteten die Karmeliter ihre Gebäude außerhalb der mittelalterlichen Kernstadt. Für die Bedeutung Boppards im Mittelalter spricht, dass die Klostergründung am Mittelrhein nach Köln (1249) und Würzburg (1250) erst die dritte Ansiedlung des Ordens im Reich war.

Die Karmeliter wurden durch zahlreiche Schenkungen und Zuwendungen, vor allem seitens des Bopparder Adels, begünstigt. Die Karmeliterkirche war unter den Adels- und den reichen Bürgerfamilien auch als Grabstätte sehr beliebt und es befinden sich bis heute viele bemerkenswerte Grabplatten in der Kirche.

Als eine weitere Besonderheit birgt die Karmeliterkirche 14 sogenannte Totenschilde mit Wappen von Bopparder Adelsfamilien. Totenschilde erinnern an verstorbene „Helden“ der Familien. In den alten Zeiten wurden sie bei der Bestattung zusammen mit dem Verstorbenen verbrannt oder man legte den Schild mit in das Grab. Das Christentum wandte sich von dieser Sitte ab, und so entstand der Brauch, die Schilde in der Kirche aufzuhängen.

Die Anfänge und der zunächst rasante Aufstieg der Benediktinerinnenabtei Marienberg fallen ebenfalls in die Stauferzeit und zeugen von der reichen Entfaltung des kirchlichen Lebens im Boppard dieser Zeit. Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet, erhielt das Kloster königliche Privilegien und Förderung. Dank weiterer Zuwendungen durch die Bopparder Reichsministerialen und andere Bürger entwickelte es sich zur bedeutendsten klösterlichen Niederlassung im Bopparder Umland. Kaiser Friedrich II. selbst sorgte zu Beginn des 13. Jahrhunderts für eine Wiederherstellung des fast verfallenen Gebäudes und dokumentierte damit einmal mehr das Interesse des staufischen Königs- und Kaiserhauses an den Vorgängen in der Stadt am Mittelrhein.

Das Haus zur Krone geht auf Schenkungen Kaiser Ottos I. und Kaiser Ottos III. an das Bistum Hildesheim zurück. Im Jahre 1236 fiel das Anwesen an die Benediktinerinnenabtei Marienberg.

Die politischen Konstellationen ändern sich

Am Ende der Stauferzeit nahm die Bedeutung des Reichsguts, über das die Bopparder Reichsgutverwaltung verfügen konnte, ganz offenbar ab.

Damit zeichnete sich auch für Boppard, dessen Geschick bisher aufs Engste mit dem des herrschenden Königs- und Kaiserhauses verknüpft war, ein Wandel ab. Bereits 1220 und 1232 hatte der Stauferkaiser, der sich überwiegend in Sizilien aufhielt und versuchte, das Reich von dort zu regieren, den Reichsfürsten wichtige Zugeständnisse gemacht. Diese gewannen an Macht und Einfluss und versuchten, sich auch am Mittelrhein Ländereien zu sichern.