Das Reich der Franken

Zeitleiste

um 500

Taufe des fränkischen Königs Chlodwig.
Mit der Annahme des Christentums treten die Frankenherrscher in eine enge Bindung zum Papsttum in Rom. Zugleich geben sie der fränkischen Gesellschaft ein religiöses Fundament in der Gestalt des von Rom vertretenen Christentums.

bis 752

Das Geschlecht der Merowinger stellt die Könige der Franken.

752

Das Geschlecht der Karolinger verdrängt die Merowinger vom Thron. Pippin, der Vater Karls des Großen, erringt das Königtum.

768-814

Karl der Große

800

Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom
Neben dem oströmischen Kaiser in Byzanz gibt es damit im westlichen Europa erstmals seit dem Untergang des Römischen Reiches wieder ein (westliches) Kaisertum. Zudem versteht sich der Frankenherrscher als Schutzherr des Papstes in Rom und der auf Rom ausgerichteten katholischen Kirche.

nach 814

Der Nachfolger Karls des Großen, Ludwig der Fromme, hat zunehmend Probleme, die Einheit des Reiches zu erhalten. Unter seinen Söhnen kommt es zu Streitigkeiten.

843

Reichsteilung von Verdun
Die linksrheinische Seite des Mittelrheins gehört von nun an zum Reich Lothars I., dem sogenannten Lotharingien.

870

Vertrag von Meerssen
Der Mittelrhein gehört zum Reich Ludwigs des Deutschen, aus dem später das ostfränkische Königreich hervorgeht.

911-925/26

Lotharingien gehört zum Herrschaftsbereich des westfränkischen Reiches, bevor es von König Heinrich I. wieder für das ostfränkische Königtum gewonnen wird.

919

Wahl Heinrichs I. zum König der Franken und Sachsen.
Das ostfränkische Reich der Ottonen beginnt.

987

Mit dem Tod Ludwigs V. im westfränkischen Reich sterben die Karolinger aus.

Boppard zwischen Römischem Reich und fränkischer Herrschaft

Die langsame Auflösung des Römischen Reiches setzte einen Prozess in Gang, der in regionaler Ausprägung unterschiedlich wirksam wurde. Die Verwaltung löste sich allmählich auf, die Sicherheit in Stadt und Land war nicht mehr gegeben.

Langfristig verfielen manche Städte, die Verkehrswege wurden nicht mehr gepflegt, die allgemeine Versorgung war nicht mehr gewährleistet, vermutlich sank auch die Bevölkerungszahl. Wasserleitungen, die mitunter über großartige Aquädukte von weither Wasser heranführten, trockneten aus. Bildung und Kultur gingen zurück, immer weniger Menschen konnten lesen und schreiben. Der allgemeine geistige Horizont verengte sich, die Mobilität verringerte sich, die Menschen konzentrierten sich auf die eigene Region und organisierten ihr Überleben.

Die Franken, vielfach schon Jahrzehnte zuvor in Kleingruppen in das Römische Reich eingewandert, konnten Lücken in der Verwaltung füllen und frei gewordene soziale Positionen einnehmen.

Vermutlich ließen sich die neuen Herren in Boppard im Bereich der Mündung des Mühltals nieder. Die ehemals dort stehende Sankt-Remigius-Kapelle geht zurück auf die zweite Hälfte des 1. Jahrtausends, die Zeit der Merowinger. Somit nutzten die Franken jenen Ort weiter, an dem bereits eine römische Siedlung bestanden hatte.

Die erste Erwähnung Boppards in einer mittelalterlichen Urkunde stammt aus dem Jahr 643, als der Merowingerkönig Sigibert III. dem Kölner Bischof Kunibert einen Weinberg in Bodofricense (Boppard) zusprach. Aus dem Jahr 814 datiert dann eine Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen, in der eine Kapelle und ein Fiskalgut in Bodobrio (Boppard) genannt werden. Demnach kann man davon ausgehen, dass es in der Zeit der Karolinger bei Boppard einen Königshof mit entsprechenden Ländereien gegeben hat.

Pfalzen und Königshöfe

Mittelalterliche Herrschaft war an Personen gebunden. Es gab keine Regierungen im heutigen Sinne, mit ständigem Sitz und festen Institutionen, zudem waren die Möglichkeiten der Kommunikation äußerst begrenzt.

Wollte ein Herrscher seine Autorität durchsetzen und seinen Untertanen vor Augen führen, so musste er vor Ort anwesend sein. Da kaum jemand lesen und schreiben konnte, war der König gezwungen, mit dem einfachen Volk, aber auch mit dem örtlichen und regionalen Adel direkt in Kontakt zu treten und Macht zu demonstrieren. Mittelalterliche Herrscher waren daher stets unterwegs, sie reisten durch ihr Herrschaftsgebiet und regierten quasi aus dem Sattel. Nicht immer konnten sie auf feste Unterkünfte zurückgreifen.

Vielerorts entstanden im Abstand von zumeist einer Tagesreise Pfalzen und Königshöfe, die den Herrscher und sein Gefolge für kürzere oder auch längere Zeit aufnehmen und mit ausreichenden Nahrungsmitteln versorgen konnten. War das nicht der Fall, war er auf die Gunst adliger Herren angewiesen.

Eine neue Basis der Landwirtschaft

Während die Großgrundbesitzer im Römischen Reich ihre Ländereien durch Sklaven bewirtschaften ließen, setzten die Franken Bauern ein, die die Ländereien teilweise für ihren Herrn, teilweise für sich selbst bewirtschafteten.

Königsgut

Die Karolinger verfügten über schier unermesslichen Grundbesitz. 

Dieser bestand zunächst einmal aus dem übernommenen Königsgut der Merowinger, hinzu kamen herrenlose Güter, die im Todesfall aus dem Besitz anderer Häuser übernommen wurden, und neue Eroberungen. Für jeden Herrscher war es eine große Herausforderung, die ihm zustehenden Königsgüter in seine Verfügungsgewalt zu bringen und zu halten.

Ein königlicher Fiskus

Zu einem Königshof oder einer Pfalz gehörten umfangreiche Ländereien. Sie dienten der Versorgung des Königs, wenn er vor Ort war, und hatten Überschüsse an den Haushalt des Herrschers abzuführen.

Das Königsgut war unter den Karolingern in Amtsbezirke aufgeteilt worden, sogenannte ministeria oder fisci, die einem Verwalter unterstanden, der oft aus dem regionalen oder örtlichen Adel stammte. In seiner Landgüterverordnung, dem Capitulare de villis, erließ Karl der Große detaillierte Bestimmungen zur Verwaltung seiner Güter. So sollte beispielsweise jeder Königshof für einen Königsbesuch bereithalten: Betten, Matratzen, Federbetten, Bettlaken, Tischdecken, Sitzbänke, eherne, bleierne, eiserne und hölzerne Gefäße, Kohlebecken, Ketten und überhaupt alle nötigen Utensilien, so „dass es nicht nötig ist, sie andernorts zu besorgen oder zu leihen“.

In der karolingischen Zeit war der königliche Fiskus in Boppard recht umfangreich. Sein Zentrum bildete der Königshof am Ausgang des Mühltals, die Ländereien erstreckten sich über beide Seiten des Rheins und reichten bis auf die Höhen des vorderen Hunsrücks. Wie der Besitz strukturiert war, ist nicht bekannt.

Zudem sagen die mittelalterlichen Quellen kaum etwas darüber, wie sich das Leben in einer Pfalz oder an einem Königshof konkret abgespielt hat. Wie viele Menschen dort lebten, welche Güter zu einer Pfalz oder einem Königshof gehörten, wie sie verwaltet wurden, all dies ist unbekannt und kann nur lückenhaft erschlossen werden.

König und Hofstaat verlangen feines Essen und guten Wein

Ein Königshof diente in erster Linie der Versorgung des Herrschers und seines Hofes. Kündigte sich dessen Besuch an, so war dies für die Bewohner der Region nicht allein eine große Freude.

Abhängig von der Anzahl der mitreisenden Gefolgsleute und der Dauer des Aufenthaltes mussten Nahrung und Getränke teilweise in einem beträchtlichen Ausmaß zur Verfügung gestellt werden. Die Versorgung mit Wein war angesichts zahlreicher Wingerte am Rhein und in den Seitentälern für Boppard kein großes Problem. Dass zahlreiche Herrscher immer wieder hierherkamen, zeugt von der Bedeutung und wirtschaftlichen Potenz der Region.

Aus einem Tafelgüterverzeichnis, das zwischen 1172 und 1174 unter Kaiser Friedrich I. erstellt wurde, lassen sich auch die Leistungen des Bopparder Königshofes entnehmen. Demnach musste Boppard jährlich 120 Schweine, 21 Ferkel, 150 Hennen, 15 Kühe, 1500 Eier, 30 Gänse, 15 Pfund Pfeffer, 270 Käse, 30 Pfund Wachs und zwölf große Fuder Wein liefern.

Das frühe Christentum

Eine frühchristliche Gemeinde bestand in Boppard seit spätrömischer Zeit. Damit gehört die Stadt neben einigen anderen Orten im Mittelrheintal zu den ältesten christlichen Zentren an Rhein und Untermosel.

Eine frühchristliche Gemeindekirche aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts befand sich bis in karolingische Zeit genau an dem Ort, an dem die Römer einst ihr Kastellbad unterhalten hatten. Ein dort errichteter Nachfolgebau wurde offenbar durch die Normannen am Ende des 9. Jahrhunderts zerstört. Die Existenz von drei weiteren Kapellen unterstreicht die Bedeutung Boppards als christliches Zentrum am Mittelrhein in der Zeit der Karolinger und zu Beginn des ostfränkischen Reiches.